Freitag, 2. April 2010

30. Maerz - Nara

Der Tag begruesste uns mit strahlendem Sonnenschein, aber eisiger Kaelte. Auf den Daechern Kyotos lag Schnee! Aber es sollte ein schoener Ausflug werden.














Vom Bahnhof in Nara aus ging es durch eine schnurgerade Einkaufstrasse mit recht abwechslungsreichem und interessantem Angebot zum Park.
















Der erste Tempel gleich am Anfang des Parks ist der Kofukuji-Tempel mit seiner grossen fuenfstoeckigen Pagode. Direkt neben dem Tempel liegt das Nationalmuseum von Nara. Gezeigt wird dort eine grosse Statue der 1000haendigen Kanon und viele sehr schoene, ueberlebensgrosse Figuren von Tempelwaechtern (sehr furchterregende kriegerische Gestalten) und Moenchen. Obwohl es sich um ein Museum handelt, steht vor der Kanonstatue eine Opferschale fuer Raeucherstaebchen und viele Besucher beten dort.










Auf dem Weg zum naechsten Tempel machten wir Bekanntschaft mit den dort lebenden und freilaufenden Sitkahirschen, die von den Besuchern eifrig gefüttert werden. Dementsprechend sind die Viecher sehr aufdringlich und beißen auch gerne mal, wenn sie der Meinung sind, es werde ihnen etwas vorenthalten. Angeblich gelten sie als heilig. Auf jeden Fall habe ich niemanden gesehen, der sie verscheucht, ganz im Gegenteil: ich habe einen Jugendlichen beobachtet, der Angriffe auf seine Tasche abwehrte und sich anschließend vor den Hirschen respektvoll verbeugte.



























Der zweite Tempel, den wir uns anschauten, war der Todaiji-Tempel. Natürlich interessierte uns dort v.a. der große schwarze Buddha (Daibutsu). Es ist mir leider nicht gelungen, ein halbwegs ordentliches Foto von dieser Statue zu machen.




Als drittes stand der Kasuga-Schrein auf dem Programm. Zu diesem Schrein gehören um die 3000 Steinlaternen, die die Wege zum Schrein säumen. Am liebsten wäre ich alle Wege abgeschritten. Wie schön muss es sein, wenn alle diese Laternen von Kerzen erleuchtet werden!Im Inneren des Schreins hängen unzählige Bronzelaternen.























Das Nachspiel zu diesem schönen Ausflug ist unter dem Titel "Lost And Found" beschrieben.

29. Maerz - Kyoto

Das Wetter sollte aber noch schlimmer werden: Am naechsten Tag war es zunaechst sonnig, aber kalt. Im Lauf des Tages gab es jedoch wieder Regen, der am Abend, gerade als wir auf dem Weg zum Kyomizudera waren, in Schnee ueberging! Es wurde ein dichtes Schneetreiben, das von der Menschenmenge, die sich wie immer in den engen Gassen des Viertels draengte, mit lautem Geschrei kommentiert wurde. Den Besuch des Tempels liessen wir uns deshalb aber nicht entgehen und haben ihn mit einem ausgesprochen guten Nudeleintopf und warmem Sake gekroent.

An diesem Tag haben wir zunaechst den Heian-Schrein besucht, vor dem in einem grossen Regal riesige Faesser mit gespendetem Sake stehen.


Anschliessend sind wir lange im dazugehoerenden Garten spazierengegangen.


Dann ging es weiter zum Shoren-in, vor dem uralte riesige Kampherbaeume stehen. Sie sollen ueber 800Jahre alt sein.

Wie in allen Tempeln und Schreinen, die wir bisher besuchten, wird dort immer auch gebetet. Hier z. B. gibt es Gebetstafeln fuer die Heilung von bestimmten Krankheiten und Beschwerden, die gekauft werden koennen und dann verbrannt werden, damit die Goetter so die Gebete erhoeren.

Der dazugehoerige Garten bietet vom oberen Teil einen schoenen Blick auf die Gebauede und Kyoto.

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In Kyoto und vor allem dort,wo wir wohnen, reiht sich ein Tempel an den anderen. Fast direkt neben dem Shoren-in liegt der Chion-in. Dort befindet sich ein Zen-Garten (nijugo bosatu – no – niwa) der lt. Informationstafel diesem Bild nachempfunden sein soll, das den Herabstieg des Amida Nyorai darstellt, umgeben von 25 Boddhisatvas.

Diese sind durch die Steine symbolisiert, waehrend die Azaleen fliegende Wolken darstellen.



28. Maerz - Ankunft in Kyoto

Die Rueckfahr nach Kyoto und die Ankunft dort war nicht sehr entspannt (kleine Missgeschicke auf der Reise). Da die Wegbeschreibung zu unserer Unterkunft nicht sehr exaktwar und selbst die Dame bei der Touristeninformation sich nicht ganz sicher, wohin sie uns schicken sollte, entschlossen wir uns, ein Taxi zu nehmen – eine weise Entscheidung. Von unserer Bushaltestelle aus haetten wir mit Sack und Pack einen ziemlich steilen Hang hoch gehen muessen, und das alles in einem grossen Menschengewuehl. Wir wohnen in einem schmalen hohen Haus, das sich Ryokan nennt – nun ja... Der erste Eindruck war fuer uns etwas schockierend, inzwischen haben wir uns daran gewoehnt, dass wir unsere Futons wie in einem Minshuku selbst ausbreiten und zusammenrollen muessen. Weniger haben wir uns daran gewoehnt, dass es kein Fruehstueck gibt. Aber es liegt mitten im Higashiyama-Bezirk, viele Tempel sind zu Fuss zu erreichen. Der Taxifahrer fand die Adresse uebrigens, in dem er die Telefonnummer in sein Navi eingab.

Auch das Wetter war alles andere als einladend, es war recht kuehl und immer wieder regnete es. Die Menschen, die Sakura feierten, hielt das aber nicht vom Feiern ab. Auf dem Gelaende des Yakasa-Schreins reiht sich Bude an Bude, unter den noch spaerlich bluehenden Kirschbaeumen sind blaue Planen ausgebreitet und dort sassen immer noch froehliche Menschen, und hielten Picknick ab.

Kirschbaeume in Japan koennen sehr gross und sehr alt werden. Ich habe Baeume gesehen, die innen schon ganz hohl sind und teilweise nur noch an einem einzigen Ast bluehen. Dieser hier ist ein besonders altes Exemplar, der auch durch eine Absperrung besonders geschuetzt wird.

26. - 27. Maerz - Takayama

Fuer Takayama hatten wir einen Tag (zwei Uebernachtungen) eingeplant. Wir haben es sehr bedauert, dass wir nicht laenger dort bleiben konnten. Schon die Fahrt war ein Vergnuegen. Es ging in die Berge, entlang des Flusses Hida, mit seinem blaugruenen Wasser. Wenn er nicht gerade gestaut wird, ist es ein reissender Fluss. Laut Zugansage wird er auch der Rhein Japans genannt. Ich habe versucht, einige Fotos aus dem fahrenden Zug zu machen.


Die Berge erinnern von weitem etwas an unsere Berge im Schwarzwald, aber wenn man genauer hinsieht, entdeckt man, dass die Waelder entweder aus riesigem Bambus oder aus Zedern bestehen.

In Takayama haben wir uns in einem Minshuku eingemietet. Wir haben ein kleines Zimmerchen, in dem nur ein niedriger Tisch steht mit einigen Sitzpolstern davor. Das ganze Zimmer ist mit Tatamimatten ausgelegt, betreten wird es nur in Struempfen. Die Futons, die in einem Wandschrank liegen, mussten wir abends selbst ausbreiten und morgens wieder wegpacken. Hier haben wir es uns angewoehnt, das abendliche heisse japanische Vollbad zu geniessen. Das Abendessen, das wir dort serviert bekommen haben, hat uns ebenso so begeistert, wie das Fruehstueck.

Am naechsten Morgen glitzterte es auf den Daechern und die Luft war kalt. Wir machten uns auf den Weg, das Staedtchen zu erkunden und besuchten erst einmal den kleinen Markt. Es gab jede Menge eingelegtes Gemuese, Pasten, Gewuerze, aber auch frisches Gemuese (Kohl, Rettiche, Blattgemuese, sogar Lilienzwiebeln).
















Gleich hinter dem Markt steht ein Verwaltungsgebaeude aus der feudalen Zeit, das einzige seiner Art, das noch so vollstaendig erhalten ist. Das haben wir uns natuerlich angesehen, anschliessend ging es in die Altstadt, die voller alter Haeuser ist, in denen wunderbare Laeden untergebracht sind und natuerlich jede Menge Restaurants. Gut, dass wir schon so frueh auf den Beinen waren, so konnten wir alles geniessen, bevor der grosse Ansturm der Touristen begann. Vergnuegt gingen wir in fast jedes Geschaeft rein und sahen uns um. Eine kleine Probe Sake liessen wir uns natuerlich auch nicht entgehen.

Ich habe dann noch eine kleine Wanderung gemacht und bin am noerdlichen Rand der Stadt den sogenannten Tempelwanderweg gegangen, an dem wirklich viele kleinere und groessere Tempel und Schreine, meist umgeben von Friedhoefen stehen.

































Blick auf Takayama vom Tempelwanderweg aus.

Lost And Found

Der Ausflug nach Nara endete in Aufregung: ich hatte meine Kamera waehrend der Heimfahrt im Zug liegen lassen, das aber erst bemerkt, als ich abends die Fotos des Tages hochladen wollte. Noch am gleichen Abend fragte ich im kleinen Supermarkt bei der Busstation nach. Zwei Angestellte wuehlten eifrig in den Unterlagen, aber sie fanden leider keine Informationen ueber eine Kamera.
Also gingen wir am naechsten Tag weiter die Spur rueckwaerts und fragten im Suessigkeitenwarenladen am Bahnhof nach. Die Angestellten wuehlten wieder eifrig in den Unterlagen, aber auch sie fanden keine Aufzeichnungen ueber eine verlorene Kamera.
Dafuer geleitete uns eine energische Dame zum Informationszentrum der Japan Railways, die auch nichts wussten und uns weiter schickten zum Fundbuero, das ziemlich versteckt außerhalb des Bahnhofsgeländes liegt. Nachdem wir genaue Angaben zu Zug und Kamera gemacht hatten, wurde uns nach einem Telefonat mitgeteilt, moeglicherweise befaende sich meine Kamera in Shinden, einem Vorort von Kyoto. Ob ich da hin fahren wolle? Nun, mir blieb nichts anderes anderes uebrig? Ich bekam eine Nummer, mein Name wurde in japanische Schriftzeichen uebersetzt und ab ging es mit dem Vorortzug nach Shinden. Und tatsaechlich – da war die Kamera.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine solche positive Erfahrung in Berlin gemacht hätte.

25. Maerz - immer noch Regen

Dieser Tag war eigentlich fuer einen Ausflug nach Hakone vorgesehen. Aber da es noch immer regnete, haben wir uns kurzerhand dafuer entschieden, stattdessen nach Tokyo zu fahren und einen weiteren Museumstag einzulegen. Es hat sich gelohnt: Wir haben stundenlang im Edo-Tokyo-Museum verbracht, zunaechst eine wunderbare Ausstellung ueber die Mongolen angesehen und sind dann tief in die Geschichte Tokyos eingedrungen. Es gibt dort u.a. riesige Modelle der alten Stadt zu sehen, mit vielen liebevollen Details (bis zu 1400 Figuren in einem Modellen).

Anschliessend sind wir am Bahnhof Shinjuku noch etwas durch die gleissende Grossstadt spaziert.

24. Maerz - Regen!

Heute war ein absoluter Regentag, schon nach kurzer Zeit waren meine Schuhe quietschenass. Ich war mit H. in Kawasaki, wo wir das Taro Okamoto Museum of Art besichtigten. Mich haette der umgebende moderne Park sehr interessiert, aber bei diesem Wetter waere das kein Vergnuegen gewesen. Also haben wir uns mit jahreszeitlich angemessenem Sakuratee begnuegt.




Anschliessend sind wir Sushi essen gegangen. Auf dem Weg zur Bahn fielen wir noch kurz entschlossen ins naechstbeste Kaufhaus ein und erstanden uns schicke Gummistiefel (meine haben Leopardenmuster und H.s sind kariert) und Socken - die, welche wir anhatten, waren ja nass! Es war ein wahrhaftig himmlisches Gefuehl, endlich wieder trockene Fuesse zu haben.